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"Warum ist Psychologie heutzutage so wichtig?"

Renate Mahr Dozentin Wirtschaftspsychologie

Ein Interview mit IBS Dozentin Renate Mahr

„Wenn etwas gelingen soll, dann muss es EINFACH, LEICHT und DAUERHAFT sein - und das führt zu Spaß. Das Leben will gefeiert werden!“ 

Renate Mahr ist Unternehmerin in ihrem Unternehmen manageMENTOR und arbeitet mit über 20 Spezialisten an der ganzheitlichen Organisationsentwicklung. Neben der IBS Nürnberg ist sie Dozentin an zwei staatlichen Hochschulen und in einem MBA-Studium für Leadership-Skills und Management-Techniken.

In den letzten 10 Jahren hat sie ein wissenschaftliches Management-Modell entwickelt, das sie nun gemeinsam mit ihren Studierenden auf verschiedene Anwendungen prüft und weiter erforscht. Hierfür nimmt sie jeweils 2-3 Studierende als wissenschaftliche Hilfskräfte in einem Praktikum an.

Ihre Fächer an der IBS Nürnberg: Einführung in die Wirtschaftspsychologie / Markt- und Konsumpsychologie

"Warum ist Psychologie heutzutage so wichtig?"

Renate Mahr: Die Disziplin Psychologie „erkämpft“ sich gerade einen ernsthaft anerkannten Platz in allen Disziplinen der Betriebswirtschaft: Unternehmensgründung, Entrepreneurship, uvm.

Sie kämpf noch, und wird gerade von älteren Experten immer noch nicht für voll genommen. Das kann ich überhaupt nicht begreifen, denn das gesamte Spektrum der Betriebswirtschaftslehre macht nur dann Sinn, wenn wir die Akteure und auch ihre Ziele verstehen. Und die Akteure, das sind nicht Unternehmen, es sind Menschen. Menschen führen und werden geführt, Menschen entscheiden, Menschen führen Arbeiten aus, Menschen kaufen, Menschen sind zufrieden mit Ihren Arbeitgebern und den gekauften Produkten …

Die Disziplin, die sich damit beschäftigt, ist die moderne Psychologie, die wiederum interdisziplinär ist, in diesem Fall viele Fachgebiete der Biologie und der Medizin beinhaltet. Wir wollen ja wissen, wie Menschen wahrnehmen, entscheiden, handeln …

Und worum es derzeit sehr stark in der unternehmerischen Praxis geht: Wann sind Menschen loyal - und wie kann man die Loyalität von Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden beeinflussen?

„Was genau vermitteln Sie im Fach Wirtschaftspsychologie an der IBS Nürnberg?“

Renate Mahr: Ich splitte diese Disziplin in 6 Module auf, die die Studierenden in insgesamt 2 Fächern an der IBS Nürnberg besuchen können:

1. Einführung in die Psychologie

Hier geht es um die Grundlagen, und greifen wir schon ganz tief in die interdisziplinäre Trickkiste. Denn wir müssen erst begreifen, wie der Mensch zu dem geworden ist, was er heute ist: Daher nehmen wir einen tiefen Einblick in die Evolutionsbiologie und in die Neuro-Medizin: Wie tickt der Mensch, und warum werden alle logischen Gefühle emotional getroffen?

2. Persönlichkeitspsychologie

Hier geht es um die Einmaligkeit des Individuums. Was zeichnet den Einzelnen aus, wie können wir unsere persönlichen Stärken erkennen und einsetzen? Wie bauen wir Vertrauen auf, wie fühlen wir uns verbunden, wie entwickeln wir uns, wie entwickeln wir eine Loyalität gegenüber Menschen, Systemen, Produkten?

3. Sozialpsychologie:

Menschen als Sozialwesen interagieren ständig untereinander, und hier interessiert uns, wovon das Verhalten abhängt. Und ja, es sind einmal wieder Gefühle, die unser Verhalten steuern.

4. Markt- und Konsumpsychologie:

Die Daseinsberechtigung für Unternehmen ist, dass sie etwas verkaufen können, was andere wollen. Doch das sich so einfach anhört, ist psychologisch betrachtet ein sehr komplexer Zusammenhang von vielen Wirkungs-Faktoren! Die Studierenden jedes neuen Semesters sind immer wieder erstaunt, wie viele Sichtweisen man einnehmen muss, um Produkte und Dienstleistungen zu zu entwickeln und zu kommunizieren, so dass sie begehrlich sind. 

5. Organisationspsychologie

Damit Unternehmen funktionieren, brauchen sie eine Richtung, ein Ziel, Inhalte und eine Struktur. Der Zusammenhalt ist die Kulturentwicklung. Es ist schon seltsam, dass wir über ein Wort, das wir so oft benutzen, so wenig wissen: Kultur! In diesem Fach sehen wir uns genau an, wie Unternehmens-Kultur analysiert wird und grafisch darstellbar ist, wie sie entwickelt werden kann und welche Organisationsform mit welchen Arbeitsweisen für welche Kulturstufe funktioniert. Dabei gehen wir vor allem auch auf neue Formen der Zusammenarbeit in Unternehmen ein wie Holocracy, Scrum und viele mehr.

6. Angewandte Wirtschaftspsychologie

Hier behandeln wir Methoden und Verfahren, wie sie in Unternehmen von Personalentwicklern aber auch von Führungskräften und selbst von Mitarbeitern eingesetzt werden können. Die Palette reicht hier von Checklisten für gelungene Besprechungen und Personalgespräche bis hin zum Aufbau einer funktionierenden Unternehmensvision, die die Mitarbeiter begeistert und die sie unterstützen. Wir fragen uns hier in Gruppenarbeiten und Diskussionen: Wie kann jeder Mitarbeiter mit seinem Handeln dazu beitragen, dass das Unternehmen Erfolg hat und alle dabei Spaß haben.
 

"Wie vermitteln Sie diese Inhalte den Studierenden?"

Renate Mahr: Ich halte grundsätzlich keine Vorlesungen! Dagegen habe ich eine tiefe und ganz persönliche Abneigung!

Das hat damit zu tun, dass Psychologie einen Zweck, einen Grund, ein Ziel hat: Ich kann ein Fach nicht theoretisch vermitteln, das einen praktischen Nutzen haben soll. Die Studierenden sollen sich sicher und gut vorbereitet fühlen auf ihre späteren Aufgaben, Rollen, Verantwortungen als Mitarbeiter, Führungskräfte … und hoffentlich einige auch als Gründer und Unternehmer!

Daher arbeiten wir im Unterricht in Workshop-Form zusammen. Wir besprechen Beispiele, wir sehen uns Filme als Grundlage an.

"Haben Sie einen Leitsatz für Ihre Arbeit als Dozentin?"

Renate Mahr: Operative Hektik ist ein Zeichen von geistiger Windstille! Auf diese Weise wird in vielen Unternehmen gearbeitet. Entscheider und Mitarbeiter verstehen nicht, warum Dinge so sind, wie sie sind, und nur, wenn wir die Ursachen und die Wirkungen erkennen, können wir auch etwas ändern. Das gelingt mit den Erkenntnissen der modernen Wirtschaftspsychologie!

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